Gericht sucht Mandant – ohne mich

Mein Mandant erschien heute im Amtsgericht Salzwedel nicht. Hier nachzulesen. Ich ließ in einem Nebensatz das Wort „Strafbefehl“ fallen und traf auf fruchtbaren Boden. Strafrichter und Staatsanwältin beschäftigten sich immer intensiver mit der Idee und schnürten ein Päckchen. Irgendwann huschte ein Lächeln über das Gesicht des Vorsitzenden und er meinte, zu mir gerichtet: Und die Zustellung wird auch keine Probleme machen, ich werde an Sie zustellen!

Anzumerken ist, dass bezüglich meines alkoholkranken Mandanten drei Adressen in der Akte waren, wovon keine gesichert war.

Als ich dem Richter dann mitteilte, dass ich einen sehr hohen Einsatz darauf verwetten würde, dass er keine schriftliche Vollmacht von mir in der Akte finden werde und dass bei der Frage der Zustellung die Frage der Beiordnung keine Rolle spielt, sah er von diesem untauglichen Versuch ab und beginnt nunmehr mit dem steinigen Weg der direkten Zustellung.

Gut, dass – wie immer -keine Vollmacht von mir in der Akte war. Denn ansonsten hätte er an mich zustellen können. Ich hätte den Mandanten nicht gefunden und fristwahrend Einspruch eingelegt. Aus der Vollmacht hätte man eine Ladungszustellungsvollmacht fingiert, verhandelt und den Einspruch verworfen. All das ist dem Gericht verwehrt, und das ist auch gut so.

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3 Responses to Gericht sucht Mandant – ohne mich

  1. Adovaktenshrek sagt:

    …so, so,… bis jetzt haben wir noch jeden geschnappt (Schnitt: 3 Monate – auch ohne Vollmacht)… Haftbefehl, Sicherheitsleistung, Ausschreibung (ganz spaßig: mit SIS), Nachbarschaftsbefragung, Arbeitgeberbefragung…der Mandant wird sich freuen und gut beraten fühlen, wenn er nächtens um 2.00 Uhr an einer Schengen-Außengrenze aufläuft…Sie aber Rufbereitschaft und U-Haft bringt Gebühr… ehrlich: Lieber eine Zustellungsvollmacht

  2. Daniel sagt:

    „… und dass bei der Frag der Zustellung die Frage der Beiordnung keine Rolle spielt…“:

    In § 145a Abs. 1 StPO lese ich, dass auch der bestellte Verteidiger zum Empfang von Zustellungen als ermächtigt gilt. Das klingt mir doch nach einer Rolle der Frage für die Frage…

  3. Christian sagt:

    Der „untaugliche Versuch des Richters“, hm … Entweder geradezu abergläubisch (dann straffrei), oder der Richter hat aus grobem Unverstand verkannt, dass der Versuch nicht zur Vollendung führen konnte (dann Strafmilderung), oder ein „einfacher untauglicher Versuch“ (dann volle Strafbarkeit).

    Fehlt nur noch ein Tatbestand. Kennt die Rechtsordnung einen Straftatbeatand „Abwälzen von Arbeit auf Verteidiger“?

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